Forggensee

Lago di Forggo – der Forggensee – Fischen im Königswinkel

forggenseeAllein was die Natur angeht hat das bayrische Allgäu schon wirklich Einiges zu bieten – sanfte grasbewachsene Hügel, die schnell in massives Hochgebirge übergehen, reißende Gebirgsflüsse und traumhaft gelegene Alpenseen, die jedes Anglerherz höher schlagen lassen.

Abgesehen von den drei Königschlössern- Neuschwanstein, Füssen und Hohenschwangau – gibt es im Ostallgäu viele fischreiche Seen & Flüße zu entdecken. Der benachbarte Hopfensee, Weissensee, Bannwaldsee, Faulenbacher See und Alatsee liegen alle im Umkreis von 15 km und bilden gemeinsam mit den Forggensee – die Füssener Seenplatte. Obwohl der See ja noch in Deutschland, zur Grenze zu Österreich liegt, kommt manchmal schnell ein mediterranes Gefühl auf- türkisfarbenes Wasser, weitläufige Kiesstrände & lebensfrohe Menschen- daher auch der Spitzname „Lago di Forggo“ – Nördlichster Punkt Italiens.

Der Forggensee ist ein vom Lech durchflossener Stausee, der mit seinen 1511 ha und 39 Meter Tiefe zu einem der größten Seen Bayerns gehört. Charakteristisch für den See sind abwechslungsreiche Bodenstrukturen, zahlreiche Krautbänke, schwankender Trübheitsgrad & Wasserstand und ein absolut gesunder Fischbestand. Auf Grund der wechselnden Bedingungen sind die Fische zwar manchmal etwas sensibler und nicht so einfach an den Haken zu bekommen. Dennoch können Raubfischer, wie auch Friedfischer, wahre Sternstunden an dem See erleben, wenn Sie nur ein bisschen Zeit investieren und gerne auf Erkundung gehen. Genau dann kann es manchmal wirklich Schlag auf Schlag gehen.

forggensee-zander-releaseHauptzielfische im Forggensee sind Hecht, Zander, Barsch und Karpfen. Aber auch die Seeforelle ist stark im Kommen, letztes Jahr im Frühherbst durfte ich einer großen Seeforelle, um die 70cm, beim Rauben mitten im Freiwasser zusehen. Wahnsinn, was für eine Naturschauspiel- die Forelle hat die Wasseroberfläche regelrecht durchpflügt und dabei mal richtig aufgeräumt! Kleinere Exemplare bis 60cm konnten bereits gefangen werden und es kursiert immer noch das Gerücht von einer 100cm+ Seeforelle, die letztes Jahr gefangen wurde, aber Näheres weiß Keiner. Jaja, das allerorts bekannte Angellatein wird wohl nie aussterben…

Im Süden des Sees befindet sich die Stadt Füssen, mit dem Lecheinlauf, der Achmühle die aus dem Hopfensee entspringt und der Brunner Ache bei Schongau, die aus dem benachbarten Bannwaldsee in den Forgensee mündet. Auf Grund des sehr strukturreichen Bodens variiert die Wassertiefe stark zwischen 1 -6 Meter. Vor allem in den Einlaufgebiet ist daher Vorsicht mit dem Boot geboten, um nicht zu Stranden oder seine geliebten Köder abzureissen. Tiefer wie 3 Meter sollte hier nicht geschleppt werden, um unnötige Hänger zu vermeiden.

Lediglich im alten Flussbett des Lechs, der auch zu einem der Hotspots zählt, da sich hier fast immer Fisch aufhält, verläuft die Wassertiefe konstant zwischen 8-14 Meter. Der Mittlere Bereich ist sehr kantenreich und auch etwas tiefer mit 5-14 Meter. An den langgezogenen Kanten lohnt sich das Werfen mit großen Gummifischen oder Naturködern am System, wie das Drachovic- oder Planseesystem. Große Hechte und auch Zander sind hier regelmäßig auf dem Echolot zu sehen, hier sollte man auf jeden Fall sein Glück probieren. Das Vertikalfischen vom treibenden Boot kann auch sehr effektiv sein, da die Räuber öfter in Grundnähe stehen. Kleine Lauben am Fireball System werden vor allem nicht nur gern von den zahlreichen Zandern genommen. Öfter interessieren sich auch Großbarsche für die Köderfisch-Kombination. Die Bisse bei der Vertikalfischer liebe ich einfach, Sie kommen manchmal so dermaßen brachial und aus dem Nichts, absolut der Hammer! Nichts also für Leute mit schwachem Herz…

Unzählige Barschschwärme mit Exemplaren bis zu 50 Zentimeter sind im Sommer an den Krautbänken anzutreffen, wo sich natürlich auch gerne mal der ein oder andere Zander dazugesellt. Absoluter Hotspot ist die Gegend um den „Waldspitz“ beim Brunner Campingplatz. Manchmal ist es echt schwer zu sagen, welcher der beste Köder ist bzw. welcher am besten fängt. Den Barschen wird auf jeden Fall schnell langweilig, daher zahlt sich variationsreiches Fischen meisten aus. Mit weißem Gummi, aber auch klassisch mit Köderfisch/Wurm und Schwimmer, sowie modern mit Drop-Shot oder Caroliner Rig, kann man den Barschen erfolgreich an den Krautfeldern nachstellen, allerdings sollte man, wie schon erwähnt, öfter mal „durchwechseln“. Ich wechsle meistens dann den Köder bzw. die Methode, wenn ich einfach merke, dass die Bisse weniger werden bzw. die Fische den Köder nicht mehr richtig nehmen.

Im Freiwasser gestaltet sich die Sache etwas spezieller und man sollte sich schon ein wenig mit der Schleppfischerei auskennen, da die Fische, wie schon erwähnt, manchmal sehr sensibel und auch weit verstreut stehen. Meisten werden Naturköder wie z.B Lauben am Wikam- oder Stockersystem angeboten, die auch immer wieder den ein oder anderen schönen Fische bringen. Ich selber bevorzuge allerdings inzwischen Wobbler, einfach aus dem Grund, weil ich sehr gut damit dieses Jahr gefangen habe und hier mehr Naturköder als Kunstköder gefischt werden und ich mich gerne von der Masse abhebe. Die Schlepptiefe ist dabei manchmal nicht so einfach zu treffen, meistens schleppen die Leute eh zu tief. Mit einer ganz flach geschleppten Rute macht man meistens nichts verkehrt. Die zweite Rute darf man dann natürlich gerne etwas tiefer anbieten, so zwischen 5-10 Metern, je nachdem wie tief der Fisch steht. Ein Echolot ist in dem Fall wirklich sehr hilfreich. Sogar das Fischen mit Sideplaner ist erlaubt, die meisten Einheimischen fischen allerdings ohne und lassen dafür ihr Schnur etwas weiter raus beim Schleppen. Bei Entfernungen von 50-80 Metern bis zum Boot, ist Geflochtene Schnur auf jeden Fall unverzichtbar, für alle Skeptiker, einfach 10-15 Meter Monofile vorschalten!

Morgennebel am Forggensee

Vor allem in der Abenddämmerung lohnt sich eine Schlepptour auf Zander mit flachlaufenden Wobblern, da die Freiwasser-Zander gerne abends an die Oberfläche zum Rauben kommen. Auch die Morgenstunden sind natürlich top zum Schleppen, was allerdings nicht heißen soll, dass tagsüber nichts beißt.

Tagsüber muss man vielleicht nur öfter mal seinen Schleppkurs ändern um sich mit den Seglern zu arrangieren, aber genau das kann manchmal den unerwarteten Erfolg bringen! Wie auch an vielen anderen Gewässer, sollte man aber die Morgenstunden einfach nicht verpassen. Erstens ist der See noch richtig schön ruhig, und man bleib von nervigen Seglern/ e-Leihbooten verschont und zweitens ist der Fisch einfach aktiver und somit auch leichter zu lokalisieren. Im Herbst und Frühjahr verschiebt sich das ganze Zeitfenster und die eher wärmeren Stunden unter Tags zählen dann zu den besseren Fangstunden. Morgennebel2 Zander 67cm (2)

Im Norden befindet sich der tiefere Bereich mit bis zu 39 Meter und auch die Staumauer des e-on Wasserkraftwerks bei Roßhaupten, welches leider ein großer Dorn in den Augen der Natur und Angler ist. Der Abtransport des angestauten Schlamms, der sich über die Jahre durch die Lech-Sedimenteinträge im Stausee gesammelt hat, ist immer noch ein großes Thema und wird immer mehr zum Problem.

Langweilig wird einem hier am See bestimmt nicht. Auf Grund der Größe und der wechselnden Bedingungen dauert es zwar manchmal ein bisschen länger, bis man die Fische gefunden hat, allerdings kann es dann auch Schlag auf Schlag gehen. Ausdauer und Hartnäckigkeit zahlt sich auf jeden Fall aus an dem See.

Der angrenzende Illasbergsee ist für Segler gesperrt und kann bequem in 1,5 Stunden um rudert werden. Auffallend ist sofort der Farbunterschied des Wassers, dunkler und grüner als im Forggensee. Das Ufer ist meist mit Schilf und Seerosenfeldern bewachsen, die durchschnittliche Wassertiefe beträgt nur 4-5 Meter. Die kapitalen Karpfen fühlen sich hier besonders wohl. Wärmeres Wasser und ein üppiges Nahrungsangebot lassen Sie zu stattlichen Exemplaren heranwachsen. Karpfenspezialisten kommen also definitiv auf Ihre Kosten, aber auch die Hecht-, Barsch- und Zanderfänge können sich hier sehen lassen. Ein absoluter Tip an Tagen, wenn zu viele Segler oder lästiges Schwemmgut auf dem Forggensee unterwegs sind.

Vor Wind kann man sich auch super in einen der idyllischen Buchten in Rieden, Hegratsried oder Dietringen schützen, die zu gewissen Zeiten wahre Hotspots sind, wenn die Futterfische auch vor Ort sind. Kapitale Döbel sind dort meistens unter den Überhängenden Ästen in Ufernähe anzutreffen, kleine Wobbler oder Gummis sind also nicht nur bei Barschen gefragt. Auch die Döbel wird man öfter an den Haken bekommen, ich konnte dieses Jahr gleich einen starken Burschen mit knapp 70cm fangen, am feinen Gerät macht so ein Fisch mal richtig Spaß. Allerdings sollte man das Wetter nie ganz aus den Augen verlieren und bei Unwetter wirklich schnellstmöglich das schützende Ufer bzw. den Hafen suchen. Vor allem in der Füssener Gegend können die Unwetter mehr als unangenehm und auch lebensbedrohlich werden. Die Fallwinde der Alpen, die teilweise direkt auf den See treffen, sind einfach nicht zu unterschätzen. So können sich innerhalb von Minuten Meterhohe Wellen bilden und auch große Boote zum kentern bringen. Letzten Sommer wurde ich z.B. Mitten in der Nacht von einem heftigen Föhnsturm, bei sternenklarem Himmel, getroffen & geweckt. Wirklich ein heftiger Sturm, der 3-4 Stunden anhielt und mir eine sehr unangenehme, aber auch abenteuerliche Nacht bescherte. Am Besten also vor jeder Tour genau die Wettervohersage checken…

67 cm Zander aus dem ForggenseeWas ich aber abgesehen von der Natur & den Leuten am Allgäu auch wirklich zu schätzen weiß, sind die Freiheiten, die hier Einem noch geblieben sind. So ist zum einen das Fischen von 0-24 Uhr durchgehend erlaubt und zum anderen das Lagerfeuer machen geduldet. Oberstes Gebot dabei ist natürlich Rücksicht & Sauberkeit, da es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt und unnötiger Müll & Lärm schnell teuer werden kann! Um Holz muss man sich meistens keine Sorgen machen, da der Lech und die anderen Zuflüsse den See mit genügend Schwemmholz aus dem Gebirge versorgen. Viele Einheimische sind allerdings der Meinung, dass das Feuer die Zander verschrecken würde und bauen extra Holzschutzwälle, damit kein Licht in’s Wasser fällt und die Zander somit keinen Verdacht schöpfen können. Vereinzelnd sind auch schon große Renken mit dem Netz auf Höhe des „Cafe Maria“ gefangen worden. Allerdings hat sich bis jetzt leider noch kein Renken Spezialist der Sache richtig angenommen, Pionierarbeit ist also gefragt. Wer schneller sein Glück beim Renkenfischen finden will, ist am Weissensee bestens aufgehoben, da geht es Renkentechnisch das ganze Jahr über richtig ab. Aber auch schöne Hechte und dicke Zander werden jedes Jahr gefangen. Fängigste Nymphen-Farben sind klassisch Rot mit schwarzem Kopf, Lila mit Silberwicklung oder Schwarz mit Goldwicklung. Je nach Jahreszeit zwischen Haken Gr.18-12. Im Frühjahr MärzApril, wenn der Schlupf noch kleiner ist Gr.18-16, ab Mai dann Gr. 16-12. Genauere Auskünfte bekommt man eigentlich immer von den Locals, da wird auch gerne mal mit Köderfischen ausgeholfen. Einfach klasse Leute & top Gewässer im Allgäu….

Weitere Infos zum Forggensee

– Die Tageskarte für kostet 11 Euro, erhältlich beim Angelladen Königsfischer, Sebastianstr.6 (Hotel Hirsch, 87629 Füssen, Tel. 08362 – 7059330, www.koenigsfischer-angelsport.de)
– Leihboote 15 Eur pro Tag beim Bootsverleih Guggemos in Dietringen, Telefon: (0 83 67) 4 74
– Slipmöglichkeit in Dietringen (Bootsverleih Guggemos)

Angelsaison am Forggensee und Umgebung

– Forggensee: 1.04 bis 31.12. – Allerdings vom 1. 04 bis 30. 04 nur auf Renken und Friedfische
– Illasbergsee: 1. Juni – 31. Dezember

Bestimmungen

Gefischt werden darf von 0-24 Uhr und mit zwei Handangeln.

Fanglimit des Forggensees

Insgesamt 2 Edelfische (Hecht, Zander, Salmoniden) sowie 2 Karpfen. Andere Fische haben keine Fangbeschränkung.

Unterkünfte am Forggensee

Tourismusbüro und Gemeideverwaltung, Lindenweg 4, 87669 Rieden am Forggensee, Tel. 08362/37025, www.rieden.de

Auskünfte und Guiding am Forggensee

Professionell geführte Angeltouren & Auskünfte gibt’s bei uns – Alspide-Fishing – von Alexander Schütte. Mehr Infos: alpside.fishing/guiding

E-Mail: schuette.alex@gmx.net
Telefon: +4367761422507